Stell dir vor, du trittst einem Verein bei, der dir einen Cannabis Social Club in deiner Stadt verspricht. Du zahlst Aufnahmegebühr, du zahlst jeden Monat deinen Beitrag, du sammelst Guthaben. Und nach zwei Jahren hast du genau null Gramm Cannabis bekommen. Dafür aber eine Mahnung mit Inkassoandrohung.
Genau das berichten tausende Menschen über Mariana Cannabis Social Clubs Deutschland e.V. Es ist der größte Cannabis-Club Deutschlands, ein Gesamtverein mit Sitz in Göttingen, dem nach eigenen Angaben rund 18.000 Mitglieder und 180 Zweigvereine angehören. Der WDR hat recherchiert, der Deutsche Hanfverband hat gewarnt, die Verbraucherzentrale Niedersachsen sieht Anhaltspunkte für Täuschung, und bei der Staatsanwaltschaft Göttingen liegt eine Strafanzeige.
Dieser Artikel sortiert die Fakten. Was war der Plan hinter dem Konstrukt, wie funktioniert das Modell, was passiert aktuell im Verein, warum laufen Inkassoverfahren gegen Mitglieder und woran hängt es, dass fast überall noch immer nicht angebaut wird.
Was ist Mariana Cannabis Social Clubs Deutschland?
Mariana Cannabis Social Clubs Deutschland e.V. wurde am 28. September 2023 gegründet und am 22. Oktober 2024 beim Amtsgericht Göttingen unter der Registernummer VR 202426 eingetragen. Der Sitz ist die Kurze Straße 7 in 37073 Göttingen. Vorstand und alleiniger Vertreter ist Nils Harbers.
Im Lobbyregister des Deutschen Bundestages ist der Verein unter der Registernummer R006665 geführt, mit Ersteintrag vom 29. April 2024. Dort wurden zum Stichtag 24. Juli 2025 genau 17.027 Mitglieder angegeben, ausschließlich natürliche Personen. Als Hauptfinanzierungsquelle nennt der Verein Mitgliedsbeiträge.
Der Name Mariana ist ein Wortspiel, angelehnt an Marihuana. Der Verein selbst beschreibt Mariana als Bezeichnung für das gesamte Ökosystem aus Community, Gesamtverein und regionalen Clubs. Das rechtliche Dach bildet der eingetragene Verein.
Sein Selbstbild hat Harbers im April 2024 auf einem YouTube-Kanal des Clubs formuliert: Wir sind der ADAC des Cannabis. Nicht jeder mag ihn, nicht jeder findet es super cool, aber er macht die Arbeit und man kann sich auf ihn verlassen.
Der Plan: ein Dachverein mit 180 Zweigvereinen
Die Grundidee
Das Konsumcannabisgesetz erlaubt den gemeinschaftlichen Anbau nur durch nicht gewinnorientierte Vereine mit maximal 500 Mitgliedern. Der Gesetzgeber wollte damit ausdrücklich einen ausufernden Cannabismarkt und Monopolbildung verhindern.
Mariana wählte einen anderen Weg. Statt eines Clubs pro Stadt wurde ein Gesamtverein gegründet, dem 180 rechtlich eigenständige Zweigvereine angehören sollen, die meisten davon in Nordrhein-Westfalen. Wer einem lokalen Zweigverein beitritt, wird automatisch auch Mitglied des Gesamtvereins. Die Mitgliedschaft umfasst beide Ebenen.
Als Vorbild nennt der Verein den ADAC, der ebenfalls als Gesamtverein organisiert ist.
Das Growhub-Konzept
Der zweite Baustein des Plans ist der sogenannte Growhub. Mariana will in einer Anbauhalle die Anbauflächen mehrerer Ortsvereine unterbringen. Die Anbauorte sollen räumlich voneinander getrennt sein, mit eigenen Türen. In internen Protokollen ist von Anbau-Clustern mit elf Vereinen pro Standort die Rede.
Genau hier liegt einer der größten rechtlichen Knackpunkte. Die Bezirksregierung Düsseldorf teilte dem WDR mit, dass eine Genehmigungserteilung regelmäßig nicht möglich sei, wenn mehrere Anbauvereinigungen eine Anbaufläche gemeinsam bewirtschaften möchten. Der Gesetzgeber wolle damit die Entstehung kommerzieller Plantagen und vergleichbarer Großanbauflächen ausschließen, die dem erklärten Zweck eines kleinräumigen, nichtgewerblichen Eigenanbaus zum Eigenkonsum durch die aktive Mitarbeit der Mitglieder entgegenstehen würden.
Mariana hält dagegen, dass die Bewertung vom Bundesland abhänge. Niedersachsen sei offen für den Anbau in gemeinsamen Gebäuden, NRW zögere. Tatsächlich kam die erste Lizenz, die Mariana erhielt, von einer niedersächsischen Behörde.
Die zentrale Kasse
Der dritte Baustein ist die Geldstruktur. Wenn ein Mitglied seinen Beitrag im lokalen Zweigverein Minden zahlt, geht das Geld nicht auf ein Konto in Minden. Es geht zur Verwaltung an den Gesamtverein nach Göttingen.
Der Rechtsanwalt Johannes Nelkenstock aus Frankfurt berät Cannabis Clubs und hat sich intensiv mit Mariana beschäftigt. Er nennt eine zentrale Verwaltung der Gelder sehr ungewöhnlich. Für Mitglieder hat sie einen entscheidenden Nachteil: Sie haben keinen Einfluss darauf, wohin ihre Beiträge fließen. Wenn jemand in einem Verein ist, wo die Hürden für eine Lizenz höher sind, werden vermutlich erst alle anderen Vereine vorgehen. Und an dem Ort, wo das Geld für einen selbst wirken könnte, tut es das nicht.
Auf die Frage, für wen ein solcher Gesamtverein dann lohnenswert sei, hat Nelkenstock eine klare These: Für die Initiatoren. Für diejenigen, die am Ende in irgendeiner Form Leistungen an den Verein anbieten. Wenn man 10, 20 oder 50 Vereine hat, hat man sich seine Kundschaft mit seinem Unternehmen gegründet.
Der Deutsche Hanfverband bezeichnet das Modell als quasi sozialistisches Konzept. Wer Mitglied ist, muss in den meisten Fällen davon ausgehen, dass die eigenen Beiträge zunächst dafür verwendet werden, anderswo Anbauanlagen aufzubauen. Manche profitieren auch von dieser Art Solidarität. Das kann man gut oder schlecht finden, Hauptsache diese Tatsache ist von Anfang an klar.
Das Firmengeflecht
Nach WDR-Informationen bezahlt der Gesamtverein mit den Beitragsgeldern mehrere Unternehmen, die zum Beispiel die Anbauhallen aufbauen oder sich um Technik und Software kümmern. Mit-Gründer von zwei dieser Firmen ist der Vorstand des Gesamtvereins, Nils Harbers.
Ein Insider der Mariana-Community, der sich ehrenamtlich engagiert hat und anonym bleiben wollte, kritisierte im WDR-Interview: Es werden im Endeffekt Firmen vorbereitet mit den Mitgliedergeldern.
Mariana weist das zurück. Harbers schreibt, dass Mitgliedsbeiträge ausdrücklich nicht dafür verwendet würden, einen Firmenaufbau zu finanzieren. Die professionelle Struktur eines Unternehmens sei wichtig, um im Alltag handlungsfähig zu sein. Außerdem könnten Ortsvereine selbst entscheiden, wie sie ihren Club aufbauen und wessen Dienstleistungen sie in Anspruch nehmen.
In einer öffentlichen Reaktion auf change.org räumte der Verein später ein: Ja, es gibt Firmenstrukturen. Auf die Frage, wem das am Ende gehöre, lautet die Antwort des Vereins: Darauf haben wir noch keine finale Antwort.
Die Zahlen: Beiträge, Einnahmen und was damit passiert ist
Was Mitglieder zahlen
Die Community-Mitgliedschaft kostet 5 Euro pro Monat und umfasst den Zugang zur Mitgliederplattform, zum Clubdoktor und zur Community. Diese 5 Euro werden nicht als Token gutgeschrieben.
Für die CSC-Mitgliedschaft fällt zusätzlich eine einmalige Aufnahmegebühr von 25 Euro an sowie ein selbst gewählter monatlicher Beitrag. Der Mindestbetrag liegt bei 10 Euro pro Monat. Nach oben war der Beitrag frei wählbar, was später noch eine Rolle spielen sollte.
Eine Pausierung der Mitgliedschaft und der Zahlungsverpflichtung ist nicht möglich, da laufende Kosten für Aufbau und Betrieb gedeckt werden müssen. Eine Widerrufsfrist wird ausdrücklich ausgeschlossen. Der Verein beruft sich dabei auf die gesetzliche Mindestmitgliedschaftsdauer von drei Monaten.
Die Dimension der Einnahmen
Bei einem Monatsbeitrag von mindestens 10 Euro und rund 18.000 Mitgliedern nimmt der Verein mindestens 180.000 Euro monatlich ein. Das hat der WDR vorgerechnet. Beiträge werden seit April 2024 eingezogen.
In den Kommentaren zu den DHV-News vom Januar 2026 nennt ein Nutzer konkrete (nicht von uns verifizierbare) interne Zahlen: Mariana hatte demnach Stand Oktober 2025 acht Vollzeitangestellte. Die Gesamteinnahmen bis Mitte 2025 beliefen sich auf 2,7 Millionen Euro, dazu kamen 5 Millionen Euro an offenen Forderungen. Auf die Personalkosten entfiel etwa ein Drittel der Einnahmen, also knapp 1 Million Euro. Weitere Beiträge entfielen auf Büroräume, in denen der Vorstand mittlerweile wohnhaft sei.
Diese Angaben stammen aus Community-Kreisen und sind nicht unabhängig verifiziert. Sie decken sich aber in der Größenordnung mit dem, was der WDR und der DHV recherchiert haben.
Eine Reddit-Analyse vom Januar 2026 kommt auf Basis interner Dokumente auf eine Hochrechnung von rund 12 Millionen Euro für den Zeitraum März 2024 bis Januar 2026. Auch das ist eine Schätzung aus der Community, keine bestätigte Zahl.
Was fehlt: die Transparenz
Der DHV kritisiert seit April 2024 zwei Punkte besonders: mangelnde Transparenz und den Umgang mit offenen Beiträgen. Bis heute gibt es keine Finanzberichte zum Gesamtverein. Wie hoch waren die Einnahmen 2024 und 2025, wofür wurde das Geld ausgegeben, wie viel ist noch vorhanden?
Der DHV räumt fairerweise ein, dass solche Zahlen auch von anderen CSCs nicht veröffentlicht werden. Aber bei einem so großen Gesamtverein wären jährliche Finanzberichte aus Sicht des Verbandes eine Selbstverständlichkeit.
Als der DHV-Geschäftsführer Georg Wurth im Februar 2026 öffentlich aufforderte, die Jahresfinanzberichte zu veröffentlichen, antwortete Mariana mit einer Petition auf change.org. Darin wird argumentiert, dass man nur gegenüber Mitgliedern verpflichtet sei, eine Übersicht über die Finanzen zu geben. Eine öffentliche Veröffentlichung der Zahlen wird damit indirekt abgelehnt.
Was aktuell im Verein passiert
Der Stand bei den Lizenzen
Auf der eigenen Website nennt Mariana aktuell 180 betreute Vereine, rund 18.000 Mitglieder, 31 beantragte Anbaulizenzen, 6 erhaltene Anbaulizenzen und mehr als 60 eingetragene Vereine.
Zum Vergleich der Stand von Juli 2025, den der WDR dokumentiert hat: Damals war nur ein Drittel der 180 Zweigvereine offiziell im Vereinsregister eingetragen. Eine schriftliche Genehmigung zum Anbau hatte genau ein einziger Mariana-Verein, nämlich der Ortsverein am Standort Göttingen, wo auch die Zentrale sitzt. Er erhielt die Lizenz Mitte Juni 2025. 16 weitere Zweigvereine hatten eine Lizenz beantragt, die Anträge lagen bei den Behörden. Mehr als zwei Drittel aller Zweigvereine standen noch vor der ersten Stufe, der Vereinseintragung.
Im Januar 2026 teilte Mariana dem DHV mit, dass von den 180 gegründeten Clubs 100 eingetragen sind und 80 nicht.
Der erste Anbau hat begonnen
Der DHV bestätigt in seinem Beitrag vom 30. Januar 2026, dass es mittlerweile die ersten Betriebsgenehmigungen gibt und der erste Anbau von Cannabis durch MarianaCSCs vor Kurzem begonnen hat. Voraussetzung dafür waren Satzungsänderungen, die den Zweigvereinen eine größere formale Eigenständigkeit geben.
In den eigenen FAQ formuliert der Verein allerdings sehr nüchtern: Bis wirklich alle Clubs Cannabis ausgeben können, wird es im schlimmsten Fall noch Jahre dauern. Gleichzeitig sei es bei ersten Vereinen jetzt endlich so weit, dass die Abgabe starten kann. Als unverbindliche Planungsgröße nennt der Verein einen Zielpreis von etwa 4 bis 7 Euro pro Gramm, an anderer Stelle 4 bis 8 Euro.
Die Mitgliederversammlung und die Frage der Abwahl
Der DHV hat mit einem Beitrag auf Instagram vom 28. September 2026 berichtet, dass “der bisherige Vorsitzende Nils Harbers wurde wegen Unklarheiten bzgl. Finanzen und strukturellen Verflechtungen durch eine außerordentliche Mitgliederversammlung vorzeitig abgewählt worden ist.”

Hier muss man klar und ehrlich sein, denn dieser Punkt wird in der Community heiß diskutiert.
Uns liegt zum bisherigen Zeitpunkt kein belegbarer Nachweis vor, dass der Vorstand des Gesamtvereins formal abgewählt wurde. Nils Harbers ist nach allen verfügbaren Quellen weiterhin Vorstand und alleiniger Vertreter des Vereins. Auch das Impressum der Website, der Eintrag im Vereinsregister und der Lobbyregistereintrag führen ihn in dieser Funktion. Mariana hat den DHV-Geschäftsführer sogar ausdrücklich zur Jahreshauptversammlung am 3. Oktober 2026 eingeladen.
Was es stattdessen gibt, sind drei dokumentierte Befunde, die erklären, warum eine Abwahl praktisch kaum möglich ist.
Erstens die Stimmengewichtung. In der Community wird berichtet, dass die Gewichtung der Stimmen zum größten Teil beim Vorstand und den Gründungsmitgliedern liegt. Ironischerweise sei das genau damit begründet worden, dass Harbers so eben nicht einfach abgewählt werden kann.
Zweitens die Zusammensetzung der Mitgliederversammlung. Nach Angaben aus den Kommentaren zu den DHV-News sind auf der Mitgliederversammlung nur die Gründungsmitglieder und Delegierte stimmberechtigt, die keinem Zweigverein angehören, also kein Cannabis beziehen wollen. Von den wenigen Dutzend Teilnehmern hätten etwa 10 über das Inkasso abgestimmt, und diese seien offenbar mit den Vollzeitangestellten weitgehend identisch. Daraus ergebe sich ein Interessenkonflikt. Eine zweite, unvorangekündigte Abstimmung habe Anfang 2026 auf einem internen Stammtisch mit wenigen Teilnehmern und knapper Mehrheit für das Inkasso stattgefunden.
Drittens die Abgänge auf Zweigvereinsebene. In den Kommentaren meldet sich ein ehemaliger Vorstand eines lokalen Mariana-Zweigvereins zu Wort. Er berichtet, dass der Verein kassiere und zum Teil absichtlich die weiteren Schritte verzögere. In seinem Fall seien durch einen unprofessionell agierenden Verantwortlichen drei Monate verloren gegangen, weil dieser die Termine für die Online-Vorstandswahlen verschlafen und nicht weitergegeben habe. Danach habe sich der Stammverein wochenlang nicht auf Aufforderungen der Gerichte gemeldet, die Rückfragen zur Vereinseintragung hatten. Satzungen seien mit unleserlichen Kürzeln und ohne Angaben von Namen und Anschriften der Unterzeichner unterschrieben worden. Die Verantwortlichen seien auch für ihn als Vorstand zu keiner Zeit für Rückfragen verfügbar gewesen.
Das FourTwenty-Magazin dokumentiert in einem Interview mit dem Vorstand zudem, dass ein Registergericht die Eintragung eines Zweigvereins mit mehreren Begründungen verweigert hat: Die Vertretungsregelung sei fehlerhaft angemeldet, die Kompetenzübertragung auf den Vorstand sei unzulässig, und eine Satzungsänderung durch Vorstandsbeschluss sei zu weitreichend.
Kurz gesagt: Es gibt massive interne Konflikte, Abgänge auf Zweigvereinsebene und eine Struktur, die den Vorstand des Gesamtvereins vor Abwahl schützt. Eine tatsächliche Abwahl des Gesamtvereins-Vorstands ist nicht belegt.
Die Strafanzeige
Ein Mitglied hat sich am 30. Dezember 2025 mit einer Strafanzeige gegen Nils Harbers an die Staatsanwaltschaft Göttingen gewandt. Das Aktenzeichen lautet 906 Js60143/25. Andere Betroffene haben sich öffentlich angeschlossen. Über den Ausgang des Verfahrens ist nichts bekannt.
Die Inkassoverfahren gegen Mitglieder
Was genau passiert
Seit Ende 2025 verschickt Mariana formale Mahnungen an Mitglieder mit offenen Beiträgen und droht mit einem Inkassoverfahren. In den Kommentaren und Berichten taucht als beauftragtes Unternehmen die Süderelbe Inkasso auf.
Bei den Mahnverfahren geht es mindestens um etwa 85 Euro für die Eintrittsgebühr plus drei Monatsbeiträge, also die Mindestmitgliedschaftsdauer. Teilweise geht es aber auch um vierstellige Beträge. In dokumentierten Einzelfällen werden 350 Euro, 450 Euro und mehr als 600 Euro gefordert.
Der entscheidende Punkt: Mariana schickt nicht einfach Zahlungserinnerungen, die man durch Nicht-Reagieren aussitzen kann. Die formalen Mahnungen bereiten ein Inkassoverfahren vor, das letztendlich zu einem gerichtlichen Mahnverfahren und damit zur Vollstreckung führen kann. Das Geld wird dann gegebenenfalls einfach vom Bankkonto eingezogen.
Der Vorwurf der Irreführung
Der DHV wirft dem Verein vor, in der eigenen Stellungnahme vom 8. Januar 2026 mit der Überschrift “Mahnungen und Inkasso bei Mariana Cannabis – unsere Erklärung” das Wort “Inkasso” zu verschweigen. Stattdessen heiße es dort: “Die Mahnungen sind kein erster Schritt. Sie sind ein letzter.” Angeblich dienten die Mahnungen nur dazu, die Mitglieder zu einer Reaktion zu animieren, um deren Mitgliedsstatus zu klären. Das suggeriere, dass es anschließend kein Inkassoverfahren geben wird, obwohl genau das Gegenteil beschlossen und in den Mahnungen angekündigt wurde.
Erst auf change.org schrieb der Verein später erstmals öffentlich und klar: “Ja, wir mahnen Mitglieder, die ihre Beiträge nicht zahlen. Ja, wir leiten Inkassoverfahren ein, wenn Mahnungen ignoriert werden.”
Der Streit um die Polizei-Anzeige
Besonders brisant ist der Umgang mit Menschen, die nach eigenem Bekunden nie wissentlich Mitglied geworden sind. In der Stellungnahme heißt es, wer keine Aktivität aufweise und angebe, sich nicht selbst angemeldet zu haben, werde ohne weitere Kosten vollständig aus dem System entfernt. In Fällen, in denen jemand angibt, ohne eigenes Zutun angemeldet worden zu sein, bittet der Verein um eine Anzeige bei der Polizei.
Dem DHV liegt allerdings Schriftverkehr vor, in dem Mariana einem Betroffenen schreibt: Wenn du dich nicht selbst angemeldet hast, dann ist das ein großes Datenschutzproblem, welches wir unbedingt gemeinsam angehen müssen. Dafür ist es nötig, dass du eine Anzeige bei der Polizei erstattest und uns diese zukommen lässt.
Aus der formulierten Bitte ist in der Praxis also eine Voraussetzung geworden.
Der DHV weist außerdem auf ein Detail hin, das für künftige Prozesse wichtig sein könnte: Im Anmeldeprozess gab es offenbar keine Mail mit Bestätigungslink, sondern nur eine Infomail mit der Bestätigung der bereits abgeschlossenen Anmeldung. Die Wahrscheinlichkeit, dass jemand ohne sein Wissen von Dritten angemeldet wurde, steigt dadurch erheblich.
Die juristische Einordnung
Der DHV hat das Vorgehen mit der Rechtsanwältin Rosalie Schönbach-Krieger besprochen, die sich mit Vereinsrecht auskennt und bereits einen Mandanten in dieser Sache vertritt. Die wichtigsten Punkte:
Gegen fällige Vereinsbeiträge zwischen Eintritt und Austritt kann man grundsätzlich wenig machen. Wer in einen Verein eintritt, verpflichtet sich zur Zahlung der Beiträge, wie sie in Satzung und Beitragsordnung festgelegt sind. Daran ändert auch nichts, dass es bisher keine Ausgabe von Cannabis gab. Es reicht, dass die Beiträge verwendet wurden, um das Vereinsziel zu erreichen, unabhängig davon, ob diese Bemühungen erfolgreich waren.
Fatal ist es, als Mitglied einfach nicht mehr zu zahlen und auf die Ausgabe von Cannabis zu warten. Die offenen Beiträge werden trotzdem fällig, häufen sich an und werden am Ende gegebenenfalls im Mahnverfahren durch Pfändung eingetrieben. Wer noch Mitglied ist, aber keine Beiträge zahlen möchte, sollte sofort kündigen.
Mögliche Ansatzpunkte für eine Ablehnung der Forderung sind: Nachweis, dass gar kein formaler Eintritt stattgefunden hat. Anfechtung der Daten von Eintritt und Austritt, etwa wenn eine frühere Kündigung ignoriert wurde und sich das per E-Mail dokumentieren lässt. Und der Fall, dass es den angeblichen Mariana-Zweigverein vor Ort faktisch gar nicht gibt, also nur ein altes Gründungsprotokoll existiert, keinerlei Aktivität erkennbar und der Zweigverein nicht erreichbar ist.
Wichtig ist dabei: Auch nicht eingetragene Vereine können juristische Personen sein und Mitgliedsbeiträge einnehmen. Die fehlende Eintragung im Vereinsregister ist also nicht automatisch das entscheidende Kriterium.
Eine Sammelklage ist nach Auskunft der Anwältin nicht möglich, da das deutsche Zivilrecht keine Sammelklagen im klassischen Sinne kennt.
Ein praktischer Hinweis aus der Community: Wer meint, nie beigetreten zu sein und bisher keinerlei Mitgliederaktivität gezeigt hat, sollte sich jetzt nicht erstmals in der Mitgliedersoftware einloggen, um Kommunikation zu sichten. Das würde der Verein als Mitglieder-Aktivität werten. Sinnvoller ist eine DSGVO-Auskunft, um die gespeicherten Daten zu prüfen.
Die Bewertung des DHV
Der DHV hält das Inkassoverfahren für ein NoGo. Die Tatsache, dass Mariana die offenen Forderungen über teilweise ein bis zwei Jahre hat anwachsen lassen, bevor jetzt die gesamten aufgelaufenen Beiträge ins Inkassoverfahren gegeben werden sollen, ist aus Sicht des Verbandes vollkommen daneben. Auf lange Sicht werde der Imageschaden größer sein als der Vorteil durch die kurzfristigen Einnahmen.
Woran hängt es, dass nicht angebaut wird?
Die verschobenen Zeitpläne
Im Frühjahr 2024 kündigte Mariana in einem Schreiben an die Mitglieder an, dass der Anbau bereits im Juli 2024 starten solle. Diese Zielangabe wurde danach immer weiter nach hinten geschoben, von erste Abgabe im November bis hin zu Anfang 2025. Noch bis Ende März 2025 stand auf der Homepage des Gesamtvereins erste Abgabe Anfang 2025.
Mariana erklärt die lange Wartezeit mit den Bearbeitungszeiten der Behörden. Man habe mit der gesetzlich vorgeschriebenen Frist von drei Monaten kalkuliert. Manche Behörden verfolgten eine politische Agenda gegen die Legalisierung und verschleppten die Genehmigungsverfahren.
Der Einwand des WDR: Viele andere, kleinere Vereine haben es unter gleichen Bedingungen schon längst bis zur Cannabis-Abgabe geschafft. Nach Zahlen des Bundesverbands der Anbauvereinigungen Deutschlands hatten bis Mitte 2025 bereits über 200 Vereine eine Lizenz.
Die vier echten Bremsen
Erstens das Growhub-Modell. Solange mehrere Vereine eine Anbaufläche gemeinsam bewirtschaften wollen, ist eine Genehmigung in vielen Bundesländern regelmäßig nicht möglich. Das ist der strukturelle Hauptgrund.
Zweitens die fehlende Vereinseintragung. Wer nicht eingetragen ist, kann keine Anbauvereinigung im Sinne des Gesetzes sein. Von 180 Zweigvereinen waren im Januar 2026 erst 100 eingetragen.
Drittens die zentrale Kasse. Weil alle Beiträge nach Göttingen fließen, fehlt den lokalen Zweigvereinen das Geld, um selbst Flächen, Personal und Strukturen aufzubauen. In den Kommentaren berichtet ein Mitglied, dass lokale CSCs sich selbst um Growlocations und eigenes Geld kümmern müssten.
Viertens die behördliche Skepsis gegenüber Dachvereinen. Das NRW-Gesundheitsministerium teilt mit, dass Dachvereine eigentlich nicht in die Systematik des Konsum-Cannabis-Gesetzes passen. Da der Umgang mit solchen Modellen im Gesetzestext nicht genau definiert ist, müssen am Ende Gerichte klären, ob Gesamtvereine mit dem deutschen CSC-Modell vereinbar sind. Die bundesländerübergreifende Meinungsbildung sei noch nicht abgeschlossen.
Dazu kommt die grundsätzliche Frage, die der DHV schon 2024 aufgeworfen hat: Wenn Mariana argumentiert, dass sich der Dachverband an die Mindestmitgliedschaftsdauer für Anbauvereine halten müsse, warum muss er sich dann nicht auch an die Höchstgrenze von 500 Mitgliedern halten?
Das Token-System
Ein weiterer Punkt, der in der Community für Unmut sorgt, ist das Token-System. Ursprünglich wurde kommuniziert, dass sämtliche Beiträge für den Bezug von Cannabis genutzt werden können. Mittlerweile wurden die Beiträge in Tokens umgerechnet.
Der Verein definiert Tokens als internes Punktesystem, mit dem Beiträge und Mitwirkung festgehalten werden, um die Ernte fair und anteilig aufzuteilen. Ausdrücklich heißt es: Tokens sind kein Guthaben, kein Gutschein und kein Zahlungsmittel. Man kann sie nicht kaufen, verkaufen, tauschen oder sich auszahlen lassen. Sie begründen keinen Leistungsanspruch. Beim Austritt verfallen sie.
Der DHV-Geschäftsführer fasst die Lage eines Mitglieds so zusammen: Man hat die Wahl, ob man durch Kündigung vermeiden will, dass die Forderung jeden Monat anwächst und man sie früher oder später in harten Euro zahlen muss, oder ob man diese Schulden in Kauf nimmt, um ein Guthaben in Form von im Wert nicht benennbaren Tokens zu einem unbekannten Zeitpunkt in der Zukunft zu sichern.
Was die Verbraucherzentrale sagt
Markus Hagge, Rechtsexperte für Verbraucherrechte bei der Verbraucherzentrale Niedersachsen, wird vom WDR mit einer deutlichen Einschätzung zitiert: Es gibt Anhaltspunkte dafür, dass Verbraucher getäuscht wurden, da wiederholt Leistungen zugesagt wurden, nachweisbar zugesagt wurden, die nicht erbracht wurden.
Ob Mitglieder mit Rückforderungen Erfolg haben werden, bleibt abzuwarten. Ein Teil der Wahrheit ist auch: Betroffene hätten sich von Anfang an besser informieren können. Wer in einen CSC eintritt, sollte sich genau mit der Vereinssatzung auseinandersetzen, online prüfen, ob der Verein im Vereinsregister eingetragen ist, und darauf achten, ob er eine Lizenz bekommen hat.
Was du aus der Mariana-Geschichte lernen kannst
Die Geschichte von Mariana ist kein Grund, das Modell Anbauvereinigung insgesamt infrage zu stellen. Sie ist ein Grund, genau hinzuschauen. Vier Prüfsteine helfen dir bei jedem Verein.
Erstens: Ist der Verein im Vereinsregister eingetragen? Eine Registernummer und ein Registergericht gehören in jedes Impressum. Fehlt beides oder steht dort ein Platzhalter, ist das ein Alarmsignal.
Zweitens: Hat der Verein eine Anbaugenehmigung? Ein Standort auf einer Karte bedeutet nicht, dass dort angebaut oder abgegeben wird. Genehmigungsstatus, Öffnung und Beginn einer möglichen Abgabe variieren stark.
Drittens: Wohin fließt dein Beitrag? Bleibt das Geld im lokalen Verein oder geht es an eine zentrale Stelle? Und kannst du nachvollziehen, was damit passiert?
Viertens: Wann beginnt die Beitragspflicht? Seriöse Vereine erheben Beiträge in der Regel erst, wenn die Anbaulizenz vorliegt, oder lassen die Mitgliedschaft erst mit der ersten Zahlung wirksam werden. Dann kann ein Mitgliedsantrag einfach verfallen, ohne dass später ein Mahnverfahren folgt.
Fazit: Ein Lehrstück über Größe, Geduld und Transparenz
Der Plan war ambitioniert: 180 Zweigvereine, zentrale Verwaltung, gemeinsame Anbauhallen als Growhubs, rund 18.000 Mitglieder.
Die Realität nach über zwei Jahren: 6 erhaltene Anbaulizenzen von 31 beantragten, 100 von 180 Zweigvereinen eingetragen, der erste Anbau hat begonnen, aber die allermeisten Mitglieder haben noch immer kein Gramm Cannabis erhalten. Gleichzeitig laufen Mahn- und Inkassoverfahren gegen Mitglieder mit offenen Beiträgen, teilweise über vierstellige Beträge, teilweise gegen Menschen, die nach eigener Aussage nie beigetreten sind.
Die Lehre daraus ist einfach. Größe ersetzt keine Genehmigung. Ein zentrales Versprechen ersetzt keine lokale Lizenz. Und Transparenz ist kein Marketingbegriff, sondern die Voraussetzung dafür, dass ein Verein funktioniert.
Genau deshalb gehen wir einen anderen Weg. Der Cannabis Club Arnstadt e.V. ist eine Anbauvereinigung mit Sitz in der Ichtershäuser Str. 40 in 99310 Arnstadt, eingetragen beim Amtsgericht Arnstadt unter VR110833. Wir sind ein Verein vor Ort, mit echten Mitgliedern, echten Pflanzen und einer Adresse, an die du fahren kannst. Unsere Beiträge bleiben im Verein, unsere Genetik ist dokumentiert, unser Klima wird überwacht, und jede Charge ist nachvollziehbar.
Wenn du wissen willst, wofür du zahlst, und wenn du Cannabis aus einem kontrollierten, regionalen Anbau beziehen möchtest, dann komm vorbei und lerne uns kennen.
Quellen
-
- WDR – Mitglieder wütend: Warum es im größten Cannabis-Club Deutschlands noch kein Gras gibt
- Deutscher Hanfverband – MarianaCSCs: Inkassoverfahren gegen Mitglieder
- Deutscher Hanfverband – MarianaCSCs: Inkassoverfahren gegen Mitglieder, DHV-News #495
- Deutscher Hanfverband – Mariana CSCs in den DHV-News: Was hat es damit auf sich?
- Lobbyregister beim Deutschen Bundestag – Registereintrag R006665
- Mariana Cannabis Social Clubs Deutschland – Stellungnahme zum Inkassoverfahren
- Mariana Cannabis Social Clubs Deutschland – Presse
- FourTwenty – Wie tief ist der Mariana-Cannabis-Graben? Ein Interview
- Cannabis Normal! Konferenz – CSC bundesweite Kette? Mariana-CSCs auf dem Prüfstand
- Reddit r/germantrees – Mariana Cannabis: Wo fließen die Millionen hin? Eine Analyse der internen Dokumente
- Trustpilot – Bewertungen zu cscsdeutschland.de


