Cannabis gemeinschaftlich anbauen dürfen – und trotzdem keinen nutzbaren Standort finden: Der Nürnberger Verein Cannabis Social Club Nürnberg e.V. will diesem Widerspruch durch einen Wechsel nach Thüringen entkommen. Wie unter anderem der MDR am 15. Oktober 2026 berichtet, hat der Verein für Cannabis- und Stecklingsproduktion (VCSP) nach eigenen Angaben eine Anbaugenehmigung erhalten. Wachsen sollen die Pflanzen allerdings nicht in Bayern, sondern in Südthüringen.
Cannabis-Anbau in Südthüringen: Was tatsächlich geplant ist
Vorgesehen ist eine 150 Quadratmeter große Halle im „fränkischen Südthüringen“. Einen genaueren Standort nennt die ergänzende Berichterstattung von inSüdthüringen ausdrücklich nicht. Die Thüringer Vereine wissen allerdings das es sich dabei um die Stadt Hildburghausen handelt.
Wenn die fehlende Baugenehmigung erteilt wird, könnte der Anbau nach Vereinsangaben im Winter beginnen. Ein bereits erfolgter Anbaustart ist damit nicht gemeint.
Ursprünglich wollte der Verein in Bayern produzieren. Diese Pläne gab er laut MDR Anfang des Jahres auf.
Warum Bayern seine Cannabis-Vereine ausbremst
Als entscheidendes Hindernis nennen der Verein und der Cannabis Verband Deutschland die bayerische Handhabung des Baurechts.
Nach den Berichten verlangt Bayern für Anbauvereinigungen speziell ausgewiesene „sonstige Sondergebiete“. Solche Flächen müssen kommunal planerisch geschaffen werden. Für Vereine ist das nach Einschätzung des Verbands praktisch kaum umsetzbar.
Die Folge: Eine Erlaubnis zum gemeinschaftlichen Cannabis-Anbau bedeutet noch lange nicht, dass eine vorhandene Halle tatsächlich genutzt werden darf.
Genehmigung erhalten – und trotzdem weiter warten
Laut inSüdthüringen erhielt der Verein nach Angaben des Verbands am 13. Oktober 2026 seine Anbaugenehmigung vom Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit.
Das macht die Situation besonders widersprüchlich: Der Verein nimmt eine wichtige behördliche Hürde, muss für die praktische Umsetzung aber auf ein anderes Bundesland hoffen. Auch dort entfällt die baurechtliche Prüfung nicht.
Wird Thüringen zum Ausweichstandort für bayerische CSC?
Nach Angaben des Cannabis Verbands Deutschland ist der Verein der erste bekannte bayerische Anbauverein mit einem solchen Vorhaben in Thüringen. Ein weiterer Verein prüfe einen ähnlichen Schritt. In sozialen Medien wird auch oder vor allem Sachsen als bevorzugter Standort genannt.
Denn: Ein bayerischer Verein baut dem MDR zufolge bereits in Sachsen an und gibt Cannabis auch an Mitglieder in Bayern weiter. Der Verband unterstützt außerdem mehrere Klagen gegen die bayerischen Vorgaben.
Der Konflikt zeigt: Unterschiedliche Verwaltungspraxis kann darüber entscheiden, wo gemeinschaftlicher Anbau tatsächlich möglich wird.


