Cannafair 2026: Als Düsseldorf drei Tage lang zur Cannabis-Hauptstadt wurde

24. August 2026

Drei Tage, hunderte Aussteller und zehntausende Besucher: Die Cannafair 2026 hat das Areal Böhler in Düsseldorf vom 21. bis 23. August erneut in einen zentralen Treffpunkt der deutschsprachigen Cannabis-Branche verwandelt. Wir blicken auf die bisher größte Ausgabe der Messe zurück und erklären, warum dieses Event mehr ist als ein Branchentreffen.

Cannafair 2026: Die größte Ausgabe der Messegeschichte

Zum sechsten Mal fand die Cannafair statt, zum zweiten Mal in Folge auf dem denkmalgeschützten Industriegelände Areal Böhler an der Stadtgrenze zwischen Düsseldorf und Meerbusch. Die alte Stahlwerkshalle mit ihren Backsteinmauern und massiven Stahlträgern bildet eine Kulisse, die sich deutlich von klassischen Kongresszentren abhebt und der Messe ihren besonderen Charakter verleiht.

Die Zahlen sprechen für sich: Nach dem Besucherrekord von über 20.000 Gästen im Vorjahr rechneten die Veranstalter der Cannafair GmbH für 2026 mit bis zu 30.000 Besucherinnen und Besuchern. Rund 300 Aussteller aus Deutschland, den Niederlanden, Spanien, den USA und weiteren Ländern präsentierten ihre Produkte und Dienstleistungen auf der bisher größten Ausstellungsfläche der Cannafair-Geschichte. Eine abschließende offizielle Besucherzahl liegt zum Zeitpunkt dieses Artikels noch nicht vor.

Veranstalter Matthieu Lambert kündigte im Vorfeld an: Mit dem Areal Böhler habe man im vergangenen Jahr eine neue Heimat gefunden, 2026 hebe man die Cannafair auf die nächste Stufe. Die Messe biete vielfältige Einblicke für jeden Wissensstand, egal ob man nur neugierig sei oder sich schon länger mit dem Thema beschäftige.

Einordnung: Wo steht die Cannafair im deutschen Messekalender?

Die Cannafair gehört zu den wichtigsten Cannabis-Messen in Deutschland, ist aber nicht die größte. Diesen Titel hält die Mary Jane Berlin, die im Juni 2026 zum zehnjährigen Jubiläum einen Besucherrekord von mehr als 75.000 Menschen meldete und rund 700 Aussteller auf 87.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche versammelte. Die Mary Jane gilt nach eigenen Angaben als weltgrößte Cannabis-Messe.

Die Cannafair setzt dagegen auf ein anderes Konzept: kompakter, persönlicher und mit dem besonderen Industriecharme des Areal Böhler. Gerade für Besucher aus Nordrhein-Westfalen und den angrenzenden Regionen ist sie die wichtigste Gelegenheit, die Branche live zu erleben, ohne nach Berlin reisen zu müssen. Beide Messen zusammen zeigen, wie stark der deutsche Cannabis-Markt seit der Teillegalisierung 2024 gewachsen ist.

Neuheiten 2026: Mehr Fläche, mehr Hallen, mehr Programm

Die Veranstalter haben für die sechste Ausgabe kräftig ausgebaut. Neu in diesem Jahr waren ein vergrößerter Außenbereich sowie eine neue, größere und klimatisierte Seitenhalle direkt am Außengelände. Bereits vor Messebeginn waren in der Haupthalle nur noch wenige Standplätze verfügbar, was die hohe Nachfrage der Branche deutlich machte.

Erstmals stark vertreten waren Aussteller aus dem Bereich Telemedizin. Gerade dieser Bereich hat seit dem Wegfall der Kassenleistung für Cannabis-Blüten Ende Juli 2026 erheblich an Bedeutung gewonnen, da viele Patientinnen und Patienten nun neue Wege der Versorgung suchen.

Das gab es zu sehen: Vom Samen bis zum Vaporizer

Das Angebot an den drei Messetagen deckte die gesamte Bandbreite der Cannabiskultur ab. Im Anbaubereich präsentierten Seedbanks, Düngerhersteller, Substrat-Anbieter, Lampen- und Growbox-Hersteller ihre Neuheiten für den legalen Eigenanbau. Daneben gab es Vaporizer, Drehzubehör, CBD-Produkte, Hanflebensmittel, Kleidung und Kosmetik auf Hanfbasis sowie Informationen zu medizinischem Cannabis.

Zu den bekannten Ausstellern zählten unter anderem Traditionsunternehmen wie GIZEH, das seit über 100 Jahren für Qualität steht, die Samenbank Anesia Seeds aus Spanien, der niederländische Hydroponik-Spezialist Dutch Masters sowie zahlreiche Anbieter von Pflanzennährstoffen und Beleuchtungstechnik. Auch Cannabis-Apotheken wie die Grastheke aus Neuss waren vor Ort und suchten den direkten Kontakt zu Patientinnen und Patienten.

Ein eigener Bereich war den Cannabis Social Clubs und Verbänden vorbehalten. Hier konnten sich Interessierte über die Arbeit der Anbauvereinigungen informieren, die seit der Teillegalisierung 2024 in ganz Deutschland entstehen. Auch der Bund gegen Alkohol und Drogen im Straßenverkehr e.V. war mit einem Stand vertreten und informierte über die praktische Umsetzung des Cannabisgesetzes, insbesondere über die Regeln zum Konsum im Straßenverkehr.

Canference: Wissen statt Vorurteile

Parallel zum Messegeschehen bot die Canference ein Konferenzprogramm mit Vorträgen und Diskussionen rund um Recht, Medizin, Anbau und Regulierung. In familiärer Atmosphäre konnten sich Besucher mit Cannabis-Aktivisten und Experten aus ganz Deutschland austauschen. Auf der Bühne standen in den vergangenen Jahren bekannte Gesichter der Szene, darunter Vertreter von Verbänden, Rechtsanwälte mit Cannabis-Schwerpunkt und erfahrene Cultivator.

Gerade in diesem Jahr hatte das Programm besonderes Gewicht: Nur drei Wochen nach dem Ende der Kassenleistung für Cannabis-Blüten zum 30. Juli 2026 standen für rund 65.000 Patientinnen und Patienten drängende Fragen zur Finanzierung ihrer Therapie im Raum. Die Canference bot den Rahmen, in dem Betroffene, Vereinsvertreter, Apotheker und Juristen ohne Termindruck zusammenkommen konnten.

Politische Stimmung: Eine Branche im Umbruch

Die Cannafair 2026 fand in einer politisch bewegten Zeit statt. Die Teillegalisierung von 2024 hat den Besitz und Anbau von Cannabis in bestimmten Grenzen erlaubt und den Betrieb von Anbauvereinigungen ermöglicht. Hunderttausende Homegrower haben seitdem erste legale Erfahrungen gesammelt, und viele Clubs haben ihre Lizenzen erhalten.

Gleichzeitig steht die Branche unter Beobachtung: Die Revision des Medizinal-Cannabisgesetzes liegt im Gesundheitsausschuss, ein Versandhandelsverbot für Blüten und strengere Regeln für Telemedizin-Rezepte stehen zur Debatte. Für Anbauvereinigungen ist das keine Nebensache, denn viele verstehen sich als Auffangnetz für Menschen, die aus der Kassenversorgung fallen.

Vor diesem Hintergrund war die Cannafair mehr als eine Produktmesse. Sie war ein Stimmungsbarometer dafür, wie mobilisierungsfähig und selbstbewusst die Cannabis-Community im dritten Jahr der Legalisierung ist.

Konsum ohne Stigma: Warum Messen wie die Cannafair wichtig sind

Cannabis-Konsumentinnen und Konsumenten sehen sich noch immer mit Vorurteilen konfrontiert. Studien zeigen, dass rund 30 Prozent der Konsumierenden Stigmatisierung erleben. Veranstaltungen wie die Cannafair setzen dem etwas entgegen: Sie holen das Thema aus der Schmuddelecke und zeigen Cannabis als das, was es für Millionen Erwachsene ist, nämlich ein legales Genussmittel, eine Medizin und ein Wirtschaftszweig.

Wer offen über Konsum, Anbau und Verantwortung sprechen kann, baut Vorurteile ab. Genau das passiert auf der Cannafair: Hier informieren sich Familien über Hanflebensmittel, Patientinnen und Patienten über Therapieoptionen, Gründer über Lizenzen und Neugierige über eine Pflanze, die jahrzehntelang nur mit Verboten verbunden war.

Für Anbauvereinigungen wie den Cannabis Club Arnstadt e.V. sind solche Veranstaltungen eine wertvolle Gelegenheit, um zu zeigen, dass legaler Cannabis für Transparenz, Qualität und Gemeinschaft steht und die beste Antwort auf den Schwarzmarkt ist.

Side-Events: Das Rahmenprogramm rund um die Messe

Rund um die Cannafair fanden zudem zwei Side-Events statt. Am Vorabend der Messe lud THE TERP ROOM zum B2B- und VIP-Dinner, am Freitagabend folgte THE STEAMERS CHILLOUT FRIDAY im Chapiteau Düsseldorf, offen für Community und Aussteller. So wurde das Messewochenende zu einem viertägigen Branchentreffen.

Die Cannafair ist erwachsen geworden

Die Cannafair 2026 hat gezeigt, wie weit sich die Messe entwickelt hat. Aus einer regionalen Hanfmesse ist eine feste Größe im deutschen Cannabis-Messekalender geworden, mit internationalen Ausstellern, professionellen Strukturen und einem Programm, das Fachpublikum und Privatbesucher gleichermaßen anspricht. Auch wenn die Mary Jane Berlin gemessen an den Besucherzahlen deutlich größer ist, hat die Cannafair mit ihrem kompakten Format und der besonderen Location im Areal Böhler ihren eigenen Platz in der Branche gefunden.

Für Konsumentinnen und Konsumenten war die Messe ein Ort, an dem sie ihre Leidenschaft offen und ohne Stigma leben konnten. Für die Branche war sie ein Zeichen der Selbstvergewisserung in politisch unruhigen Zeiten. Und für alle, die sich für eine legale und verantwortungsvolle Cannabis-Kultur einsetzen, war sie ein Mutmacher: Die Community ist groß, sie ist organisiert und sie bleibt sichtbar.

Wer in diesem Jahr nicht dabei sein konnte: Die nächste Cannafair ist bereits in Planung, traditionell im August 2027, wieder im Areal Böhler in Düsseldorf.

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