Cannabis, Suchtprävention und die gesellschaftliche Entwicklung

25. März 2025

Cannabis, Suchtprävention und die gesellschaftliche Entwicklung: Ein Blick auf das Spiegel-Interview mit Jakob Manthey

Ein Interview des Spiegel mit dem Psychologen und Suchtforscher Jakob Manthey bietet spannende Einblicke in die Entwicklungen rund um Alkohol- und Cannabiskonsum in Deutschland. Manthey, der unter anderem die Bundesregierung bei der Cannabis-Teillegalisierung beraten hat, beleuchtet sowohl die positiven Trends als auch die Herausforderungen im Bereich Suchtprävention. Besonders interessant sind seine Einschätzungen zur Rolle von Cannabis in der Gesellschaft und den notwendigen Maßnahmen zur Prävention von Suchterkrankungen.

Alkohol: Weniger Konsum, aber neue Herausforderungen

Manthey erklärt, dass der Pro-Kopf-Konsum von Alkohol in Deutschland in den letzten zehn Jahren um etwa zehn Prozent gesunken ist. Besonders erfreulich sei, dass Jugendliche und junge Erwachsene immer weniger trinken – ein Trend, der sich europaweit zeigt. Gleichzeitig warnt er jedoch vor einer Trendumkehr: Während die Gesamtbevölkerung weniger trinkt, konsumieren Menschen, die bereits vorher viel Alkohol getrunken haben, nun noch mehr. Besonders besorgniserregend sei der steigende Alkoholkonsum bei Frauen und die hohen Sterberaten bei älteren Menschen, insbesondere durch alkoholbedingte Erkrankungen wie Leberzirrhose.

Manthey betont, dass die gesellschaftliche Akzeptanz von Alkohol ein großes Problem darstellt. Er fordert strengere Maßnahmen, wie höhere Steuern auf alkoholische Getränke, Warnhinweise auf Verpackungen und eine Einschränkung des Verkaufs. Diese Maßnahmen könnten helfen, die negativen Folgen des Alkoholkonsums weiter zu reduzieren.

Cannabis: Eine neue Volksdroge?

Ein weiterer Schwerpunkt des Interviews liegt auf der Entwicklung des Cannabiskonsums in Deutschland. Manthey stellt klar, dass Cannabis nach wie vor deutlich seltener konsumiert wird als Alkohol oder Tabak. Dennoch sieht er eine Veränderung: Cannabis wird zunehmend in allen gesellschaftlichen Schichten konsumiert, und das durchschnittliche Alter der Konsumentinnen und Konsumenten steigt. Während früher vor allem Jugendliche und Studierende Cannabis nutzten, ist es heute auch bei älteren Erwachsenen verbreitet.

Manthey hält es für möglich, dass der Cannabiskonsum in Deutschland in Zukunft ähnliche Ausmaße wie in Kanada erreicht, wo etwa 20 Prozent der Erwachsenen gelegentlich konsumieren. Er betont jedoch, dass das Schadenspotenzial von Cannabis – insbesondere wenn es nicht geraucht wird – geringer ist als das von Alkohol. Dennoch sei es wichtig, den Konsum kritisch zu betrachten und Präventionsmaßnahmen zu stärken.

Suchtprävention in Thüringen und darüber hinaus

Das Thema Suchtprävention spielt in Mantheys Aussagen eine zentrale Rolle. Er betont, dass Prävention nicht nur auf Jugendliche abzielen sollte, sondern auch auf ältere Bevölkerungsgruppen, die oft übersehen werden. Besonders in Thüringen, wo der ländliche Raum dominiert, könnten gezielte Präventionsprogramme helfen, den problematischen Konsum von Alkohol und Cannabis einzudämmen. Hier könnten Cannabis-Vereine, die im Rahmen der Teillegalisierung entstehen, eine wichtige Rolle spielen, indem sie nicht nur den Anbau und Konsum regulieren, sondern auch Aufklärungsarbeit leisten.

Fazit: Ein ausgewogener Umgang mit Cannabis und Alkohol

Das Interview mit Jakob Manthey zeigt, dass sowohl beim Alkohol- als auch beim Cannabiskonsum differenzierte Ansätze notwendig sind. Während der Alkoholkonsum insgesamt zurückgeht, gibt es neue Herausforderungen, insbesondere bei älteren Menschen. Beim Cannabis hingegen steht Deutschland noch am Anfang einer gesellschaftlichen Entwicklung, die durch die Teillegalisierung angestoßen wurde. Manthey plädiert für eine wissenschaftlich fundierte Evaluation der Legalisierung und betont die Bedeutung von Suchtprävention, um die negativen Folgen des Konsums zu minimieren.

Für Thüringen und andere Bundesländer bedeutet dies, dass Präventionsprogramme und Aufklärungskampagnen weiter ausgebaut werden müssen. Nur so kann ein verantwortungsvoller Umgang mit Substanzen wie Alkohol und Cannabis gefördert werden – ein Ziel, das sowohl die Gesundheit der Bevölkerung als auch die gesellschaftliche Akzeptanz von Präventionsmaßnahmen stärkt.

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