Heute vor genau zwei Jahren trat das Cannabisgesetz in Kraft. Pünktlich dazu liegt der zweite EKOCAN-Zwischenbericht vor – die offizielle wissenschaftliche Evaluation des Gesetzes. Das Ergebnis ist eindeutig. Doch statt die Fakten anzuerkennen, machen Unionspolitiker weiter Stimmung. Wir schauen genau hin.
Was ist EKOCAN – und was hat die Studie untersucht?
EKOCAN steht für die gesetzlich vorgeschriebene wissenschaftliche Begleitforschung zum Cannabisgesetz (CanG). Ein unabhängiges Forscherteam aus Kriminologie, Suchtforschung und Epidemiologie untersucht seit 2024 die Auswirkungen der Teillegalisierung auf:
- den Cannabiskonsum in der Bevölkerung
- den Schwarzmarkt
- den Jugendschutz
- die öffentliche Gesundheit
- die Strafverfolgung
Der zweite Zwischenbericht wurde am 1. April 2026 veröffentlicht – zwei Jahre nach Inkrafttreten des Gesetzes. Die Ergebnisse sind differenziert, aber in den Kernaussagen klar.
Was sagt der EKOCAN-Bericht wirklich?
1. Kein Anstieg des Konsums
Der Konsum von Cannabis hat sich durch die Teillegalisierung nicht wesentlich verändert. Frühere Trends setzen sich fort:
- Bei Jugendlichen ist der Konsum seit etwa 2019 rückläufig – und dieser Trend hält an.
- Bei Erwachsenen gibt es einen leichten, langfristigen Anstieg – der aber bereits vor dem Cannabisgesetz bestand und nicht auf dieses zurückzuführen ist.
Prof. Daniel Kotz, Suchtforscher an der Uni Düsseldorf, fasst es klar zusammen: Der leichte Anstieg bei Erwachsenen „hat sich leicht fortgesetzt” – aber er ist kein Effekt des Gesetzes, sondern ein gesellschaftlicher Langzeittrend.
2. Der Schwarzmarkt schrumpft
Das ist die vielleicht wichtigste Aussage des Berichts. Prof. Jörg Kinzig, Kriminologe an der Uni Tübingen:
„Wir gehen nach allen unseren Untersuchungen und Erhebungen davon aus, dass es zu einem Rückgang des Schwarzmarktes gekommen ist.”
Der Bericht selbst formuliert es so:
„Diese Befunde sprechen dafür, dass das in Deutschland konsumierte Cannabis in zunehmendem Maße aus grundsätzlich legalen Quellen stammt; ein Anstieg des Konsums, der diese Marktverschiebungen kompensieren würde, ist bisher nicht erkennbar.”
Eigenanbau, Anbauvereinigungen und medizinisches Cannabis verdrängen den Schwarzmarkt sukzessive – das ist das Ergebnis der Wissenschaft.
3. Hohe Beschlagnahmungszahlen ≠ wachsender Schwarzmarkt
Ein häufig genutztes Argument der Gesetzesgegner: Die Sicherstellungsmengen von Cannabis seien 2025 auf Rekordniveau gestiegen. Das beweise, dass der Schwarzmarkt boome.
Der EKOCAN-Bericht widerlegt das direkt: Auch in anderen europäischen Ländern ohne Teillegalisierung gab es massive Anstiege der Sicherstellungsmengen. Ein maßgeblicher Einfluss des deutschen Cannabisgesetzes erscheine daher „eher unwahrscheinlich”.
Der Deutsche Hanfverband erklärt den Anstieg plausibel: Viel Cannabis kommt inzwischen aus Nordamerika und Thailand per Luftfracht – mit höherem Entdeckungsrisiko als frühere Landtransporte aus Spanien und Marokko. Außerdem wird Deutschland als Transitland für den europäischen Markt genutzt – die beschlagnahmten Mengen sind also nicht zwingend für den deutschen Markt bestimmt.
4. Handlungsbedarf: Anbauvereinigungen stärken
Der Bericht zeigt auch: Das Gesetz ist auf halbem Weg stehen geblieben. Es gibt zu wenige Anbauvereinigungen, die Zugangsbedingungen sind zu restriktiv. Kriminologe Kinzig empfiehlt der Politik ausdrücklich:
„Diese sehr restriktiven Zugangsbedingungen für die Anbauvereinigungen etwas lockerer zu machen, damit über die Anbauvereinigungen dann auch legal Cannabis bezogen werden kann.”
Die Union und die Fakten: Ein Trauerspiel
Trotz dieser klaren wissenschaftlichen Befunde reagieren Unionspolitiker mit Polemik statt mit Sachlichkeit.
Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) bezeichnete das Gesetz als „vollkommenen Rohrkrepierer” und behauptete, der Schwarzmarkt boome und die Kriminalität steige. Das widerspricht direkt den Studienergebnissen.
Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) warnte vor einer „verschwommenen Grenze” zwischen Konsum- und Medizinalcannabis. Das klingt nach Gesundheitsschutz – ist aber in der Praxis ein weiterer Schritt, der Menschen zurück auf den Schwarzmarkt treibt.
Familienministerin Karin Prien (CDU) beklagte, Frühinterventionsprogramme für Jugendliche seien rückläufig, weil Polizei und Staatsanwaltschaft weniger Handhabe hätten, Jugendliche dazu zu verpflichten. Übersetzt: Sie bedauert, dass Jugendliche nicht mehr mit Strafverfolgung zur Prävention gezwungen werden können. Das ist kein Jugendschutz – das ist Kriminalisierung als Erziehungsmittel.
Was die Union verschweigt:
- Das Verbot hat jahrzehntelang nicht funktioniert – Millionen Strafverfahren gegen harmlose Konsumenten, ohne jeden positiven Effekt
- Der Jugendkonsum ist gesunken – nicht gestiegen
- Der Schwarzmarkt schrumpft – nicht wächst
- Die Lösung für verbleibende Probleme heißt mehr legale Strukturen – nicht weniger
Ergänzung: Videobeitrag mit Details zum Thema vom deutschen Hanfverband
Was ein gutes Cannabisgesetz leisten könnte
Der EKOCAN-Bericht zeigt: Die Richtung stimmt – aber das Gesetz ist halbherzig. Was wirklich helfen würde:
✅ Mehr Anbauvereinigungen – mit weniger bürokratischen Hürden und fairen Bedingungen und dabei Arbeitsplätze schaffen
✅ Klare Qualitätsstandards – für sicheres, geprüftes Cannabis
✅ Echte Prävention – durch Aufklärung, nicht durch Kriminalisierung
✅ Faire Einbindung der Anbauvereinigungen – als Partner der Gesellschaft, nicht als bürokratisch gegängelte Randerscheinung
Der Deutsche Hanfverband bringt es auf den Punkt: Eigenanbau und Anbauvereine reduzieren den Schwarzmarkt erheblich – aber ohne legale Shops wird langfristig ein erheblicher Schwarzmarkt verbleiben. Das ist keine politische Meinung, das ist Logik.
Cannabis Club Arnstadt: Genau das, was das Gesetz braucht
Der Cannabis Club Arnstadt e.V. ist ein lebendiges Beispiel dafür, wie Anbauvereinigungen funktionieren können – wenn man sie lässt.
Wir bauen sehr hochwertiges Cannabis an: kontrolliert, sorgfältig, ohne Pestizide und mit echtem Fokus auf Qualität. Das ist kein Luxus – das ist der Unterschied zwischen sicherem, legalem Konsum und dem Schwarzmarkt.
Wir sind kein Problem. Wir sind Teil der Lösung.
Genau das, was der EKOCAN-Bericht fordert – mehr legale Strukturen, mehr Anbauvereinigungen, weniger Schwarzmarkt – das leben wir jeden Tag.
Das Fazit: Die Wissenschaft hat gesprochen
Zwei Jahre Cannabisgesetz. Zwei Jahre EKOCAN-Forschung. Das Ergebnis ist klar:
- Kein Anstieg des Jugendkonsums
- Schwarzmarkt schrumpft
- Legale Quellen wachsen
- Kein Anstieg des Gesamtkonsums durch das Gesetz
Die Union ignoriert diese Fakten und betreibt Stimmungsmache. Das schadet dem Jugendschutz, dem Gesundheitsschutz und dem Kampf gegen den Schwarzmarkt.
Cannabis-Legalisierung funktioniert – wenn man sie richtig macht. Und dazu braucht es faire Bedingungen für Anbauvereinigungen wie den Cannabis Club Arnstadt.
Quellen:
-
- EKOCAN-Zwischenbericht 2 (April 2026): → Zum Bericht
- Deutscher Hanfverband (01.04.2026): 2 Jahre Cannabisgesetz – Hanfverband zieht Bilanz → Zum Artikel
- tagesschau.de (01.04.2026): Kaum Veränderungen beim Cannabis-Konsum → Zum Artikel


