In den USA tobt ein erbitterter Rechtsstreit um die Zukunft von Cannabis: Präsident Trumps Justizministerium hat medizinisches Cannabis neu eingestuft – doch drei republikanische Generalstaatsanwälte ziehen dagegen vor Gericht. Steht die historische Reform schon vor dem Aus?
Wir erklären, worum es geht – einfach und verständlich.
Was ist überhaupt passiert?
Im April 2026 ordnete der amtierende US-Justizminister Todd Blanche an, bestimmte Cannabis-Produkte herunterzustufen: von Schedule I (die strengste Kategorie, „kein medizinischer Nutzen, hohes Suchtpotenzial”) auf Schedule III (anerkannter medizinischer Nutzen, geringeres Risiko).
Konkret betrifft das:
- von der Arzneimittelbehörde FDA zugelassene Cannabis-Medikamente
- medizinisches Cannabis aus staatlich lizenzierten Programmen
Wichtig: Freizeit-Cannabis bleibt vorerst auf Schedule I – also weiter bundesweit illegal.
Diese Umstufung geht zurück auf eine Anordnung von Präsident Trump, der den Prozess beschleunigen wollte.
Warum ist das ein großer Schritt?
Eine Einstufung als Schedule III wäre für die US-Cannabis-Branche ein Durchbruch: Sie könnte Steuererleichterungen bringen und den Umgang mit medizinischem Cannabis deutlich vereinfachen.
Das US-Gesundheitsministerium hatte bereits 2023 festgestellt, dass Cannabis einen „anerkannten medizinischen Nutzen” hat und das Missbrauchspotenzial geringer ist als bei Schedule-I- und II-Stoffen.
Wer klagt – und warum?
Am 22. Mai 2026 reichten die republikanischen Generalstaatsanwälte von Indiana, Nebraska und Louisiana eine 15-seitige Klage beim Bundesberufungsgericht des District of Columbia ein.
Ihre Hauptargumente:
- Die Anordnung verstoße gegen vorgeschriebene Verwaltungsverfahren (Administrative Procedure Act).
- Sie überschreite die Befugnisse des Justizministers nach dem Controlled Substances Act.
- Sie sei „willkürlich, ein Ermessensmissbrauch und nicht rechtmäßig”.
Ein weiteres Motiv: Die Kläger befürchten, dass die medizinische Umstufung den Weg für eine breitere Legalisierung von Freizeit-Cannabis ebnen könnte.
Pikant: Die drei Bundesstaaten gehen sehr unterschiedlich mit Cannabis um. Louisiana hat ein medizinisches Programm, Nebraska setzt ein per Volksabstimmung beschlossenes Programm gerade erst um, und Indiana erlaubt Cannabis bislang gar nicht – auch nicht medizinisch.
Sie sind nicht allein
Das Gericht hat die Klage der drei Staaten mit einer separaten Klage zusammengelegt: Die Prohibitions-Organisation Smart Approaches to Marijuana (SAM) und ein Drogen-Screening-Verband (NDASA) klagen ebenfalls. Vertreten werden sie unter anderem von der Kanzlei des früheren US-Justizministers William Barr.
Wenig später kam eine dritte Klage hinzu – diesmal von Ärzten, einer Suchtklinik und einem Pharmaunternehmen, die sogar Präsident Trump persönlich als Beklagten nennen.
Eine überraschende Wendung
Die Lage ist in Bewegung: Laut der Cannabis-Organisation NORML hat die Generalstaatsanwältin von Louisiana inzwischen einen Antrag gestellt, ihren Bundesstaat als Kläger aus dem Verfahren zurückzuziehen. Damit bliebe der Kern der Klage bei Indiana und Nebraska.
Wie geht es weiter?
Das Verfahren läuft. Parallel bereitet die Drogenbehörde DEA eine Anhörung vor (ab Ende Juni), in der über eine noch weiterreichende Neueinstufung von Cannabis verhandelt werden soll – inklusive Freizeit-Cannabis.
Interessant: Trotz des Streits ist die Reform bei vielen Konsumenten beliebt. In einer Umfrage befürworteten 73 % der Befragten das Vorgehen der Trump-Regierung in der Cannabis-Politik.
Fazit: Spannung pur
Die historische Cannabis-Wende in den USA hängt vorerst an seidenen Fäden. Drei Klagen, ein zentrales Bundesgericht – und ein Ausgang, der die US-Drogenpolitik für Jahre prägen könnte.
Der Gerichtssaal entscheidet, wohin die Reise für Cannabis in Amerika geht.


