THC-Angaben der Breeder vs. Realität: Warum Cannabis-Blüten oft weniger THC enthalten als versprochen

28. Juli 2025

Wer Cannabis-Samen kauft, orientiert sich oft an den THC- und CBD-Angaben der Breeder auf den Packungen. Doch die Realität sieht häufig anders aus: Die tatsächlichen Werte der finalen Cannabis-Blüten weichen erheblich von den beworbenen Zahlen ab. Ein Beispiel aus der Praxis zeigt das Ausmaß dieser Diskrepanz: Blue Gelato von Barneys Farm wird mit 26% THC beworben, erreicht aber real nur 14% THC. Amnesia Lemon soll laut Breeder 22% THC enthalten, kommt aber nur auf 13% THC. Doch warum ist das so, und welche Faktoren beeinflussen die tatsächlichen Cannabinoid-Werte?

 

Das Problem mit den Breeder-Angaben

Cannabis-Breeder werben gerne mit hohen THC-Werten, um ihre Sorten attraktiver zu machen. Diese Angaben basieren jedoch oft auf idealen Laborbedingungen oder den besten jemals erreichten Werten – nicht auf dem, was durchschnittliche Grower unter normalen Bedingungen erwarten können. Die Folge: Enttäuschte Konsumenten und unrealistische Erwartungen.

Beispiel Blue Gelato:

  • Breeder-Angabe: 26% THC
  • Realität: 14% THC
  • Abweichung: -12 Prozentpunkte (-46%)

 

Beispiel Amnesia Lemon:

  • Breeder-Angabe: 22% THC
  • Realität: 13% THC
  • Abweichung: -9 Prozentpunkte (-41%)

Ursache 1: Messmethoden und Laborunterschiede

Nicht alle Labore messen gleich, und verschiedene Testmethoden können unterschiedliche Ergebnisse liefern:

Einflussfaktoren bei der Messung:

  • Probenvorbereitung: Welcher Teil der Blüte wird getestet? Top oder Bottom
  • Testmethoden: HPLC vs. GC-MS können verschiedene Werte ergeben
  • Kalibrierung: Unterschiedliche Standards zwischen Laboren
  • Probenalter: THC baut sich über Zeit ab

Ursache 2: Genetische Variabilität

Auch bei derselben Sorte können einzelne Pflanzen genetisch unterschiedlich sein. Cannabis-Samen sind keine Klone – jede Pflanze kann leicht andere Eigenschaften entwickeln. Während eine Blue Gelato 41 -Pflanze unter idealen Bedingungen tatsächlich 26% THC erreichen könnte, produzieren andere Pflanzen derselben Sorte deutlich weniger.

Faktoren der genetischen Variabilität:

  • Phänotyp-Unterschiede: Verschiedene Ausprägungen derselben Genetik
  • Stabilität der Sorte: Weniger stabile Sorten zeigen größere Schwankungen
  • Zuchtqualität: Unterschiedliche Breeder haben verschiedene Qualitätsstandards

Ursache 3: Optimale vs. durchschnittliche Anbaubedingungen

Die größte Ursache für Abweichungen liegt in den unterschiedlichen Anbaubedingungen. Breeder testen ihre Sorten unter perfekten Laborbedingungen mit:

  • Professioneller Beleuchtung: Hochwertige LED-Systeme mit optimaler Lichtverteilung
  • Perfekter Klimakontrolle: Konstante Temperatur und Luftfeuchtigkeit
  • Idealer Nährstoffversorgung: Präzise abgestimmte Dünger-Programme in Hydrokulutren
  • Erfahrenen Growern: Jahrzehntelange Expertise und ständige Überwachung

Durchschnittliche Grower haben selten Zugang zu solchen Bedingungen. Schwankungen in Temperatur, Luftfeuchtigkeit oder Beleuchtung können die THC-Produktion erheblich beeinträchtigen.

Ursache 4: Erntezeitpunkt und Trichom-Entwicklung

Der Erntezeitpunkt hat enormen Einfluss auf den THC-Gehalt. Viele Grower ernten zu früh oder zu spät, was die Cannabinoid-Profile stark beeinflusst.

Auswirkungen des Erntezeitpunkts:

  • Zu frühe Ernte: THC noch nicht vollständig entwickelt (wie bei unserer Amnesia Lemon mit nur 13% statt 22%)
  • Zu späte Ernte: THC beginnt sich zu CBN abzubauen
  • Optimaler Zeitpunkt: Schwer zu bestimmen ohne Erfahrung und Ausrüstung

Ursache 5: Trocknungs- und Curing-Prozess

Nach der Ernte können Fehler beim Trocknen und Curing die Cannabinoid-Werte weiter reduzieren:

Häufige Fehler:

  • Zu schnelles Trocknen: Zerstört Terpene und kann THC beeinträchtigen
  • Falsche Luftfeuchtigkeit: Schimmelbildung oder zu trockene Blüten
  • Unzureichendes Curing: THC-A wird nicht optimal zu THC umgewandelt
  • Lagerung: Licht, Wärme und Sauerstoff bauen THC ab

Ursache 6: Marketing vs. Realität

Viele Breeder nutzen die höchsten jemals gemessenen Werte für ihre Werbung, auch wenn diese nur unter Ausnahmebedingungen erreicht wurden. Diese “Cherry-Picking”-Praxis führt zu unrealistischen Erwartungen.

Problematische Praktiken:

  • Beste Einzelwerte: Nur die besten 1% der Tests werden beworben
  • Idealbedingungen: Werte nur unter Laborbedingungen erreichbar
  • Veraltete Tests: Alte, möglicherweise nicht mehr reproduzierbare Werte
  • Fehlende Durchschnittswerte: Keine Angabe typischer Bereiche

Was bedeutet das für Grower und Konsumenten?

Die Diskrepanz zwischen beworbenen und tatsächlichen THC-Werten hat praktische Konsequenzen:

Für Grower:

  • Realistische Erwartungen: Plane mit 50-70% der beworbenen Werte
  • Fokus auf Qualität: Gute Anbaubedingungen sind wichtiger als die Sorte
  • Eigene Tests: Lass deine Ernte testen, um echte Werte zu erfahren

Für Konsumenten:

  • Vorsicht bei Dosierung: Niedrigere THC-Werte bedeuten andere Dosierung
  • Qualität vor Quantität: Terpene und andere Cannabinoide sind auch wichtig
  • Vertrauen zu Anbauern: Kenne deine Quelle und deren Anbaumethoden

Fazit: Realistische Erwartungen statt Marketing-Versprechen

Die Beispiele von Blue Gelato 41 (14% statt 26% THC) und Amnesia Lemon (13% statt 22% THC) zeigen deutlich: Die THC-Angaben der Breeder sind oft mehr Marketing als Realität. Faktoren wie Anbaubedingungen, Genetik, Erntezeitpunkt und Verarbeitung haben enormen Einfluss auf die finalen Cannabinoid-Werte. Grower und Konsumenten sollten daher realistische Erwartungen haben und sich nicht allein auf die Packungsangaben verlassen. Qualität entsteht durch gute Anbaupraxis – nicht durch hohe Zahlen auf der Verpackung.

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