Ein Jahr Cannabisgesetz: Zwischen Fortschritt und Herausforderungen
Am 1. April 2024 trat das Cannabisgesetz in Deutschland in Kraft, das den Besitz und Anbau von Cannabis unter strengen Auflagen legalisierte. Ein Jahr später zeigt sich ein gemischtes Bild: Während die Entkriminalisierung Fortschritte bringt, gibt es weiterhin Kritik und offene Fragen zur Umsetzung und Wirkung des Gesetzes.
Fortschritte durch die Legalisierung
Der Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Burkhard Blienert, verteidigt die Teillegalisierung und betont, dass sie zu einem ehrlicheren Umgang mit Cannabis geführt habe. Besonders positiv sei, dass mehr Menschen mit problematischem Konsum Beratungs- und Behandlungsangebote in Anspruch nehmen. Auch die Polizeiliche Kriminalstatistik zeigt Fortschritte: Drogendelikte sind um ein Drittel zurückgegangen, und die Zahl der Cannabis-Straftaten hat sich halbiert. Dies entlastet Polizei und Justiz und ermöglicht eine stärkere Fokussierung auf organisierte Kriminalität.
Kritik und Herausforderungen
Trotz dieser Fortschritte gibt es Kritik. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) bemängelt, dass das Gesetz in der Praxis zu schwammig sei und Kontrollaufwand verursache, etwa durch die Überwachung von Konsum-Verbotszonen. Auch Suchtforscher warnen vor einer Zunahme des Konsums, insbesondere bei Jugendlichen, und fordern eine stärkere Präventionsarbeit. Psychiater berichten von einer Zunahme psychischer Erkrankungen, die mit Cannabis in Verbindung stehen, und verweisen auf Erfahrungen aus Kanada, wo ähnliche Entwicklungen beobachtet wurden.
Politische Debatte und gesellschaftliche Spaltung
Die politische Debatte bleibt kontrovers. Während die Union eine Rücknahme des Gesetzes fordert, plädiert die SPD für eine Weiterentwicklung der Legalisierung. Auch in der Gesellschaft sind die Meinungen gespalten: Laut einer Umfrage befürworten 38 Prozent eine Rücknahme, während ebenso viele die Beibehaltung des Gesetzes unterstützen. Nur eine Minderheit wünscht sich eine weitergehende Freigabe.
Fazit: Ein Gesetz in der Evaluierung
Das Cannabisgesetz hat in seinem ersten Jahr wichtige Impulse gesetzt, insbesondere durch die Entkriminalisierung und die Entlastung der Justiz. Dennoch bleiben Herausforderungen, etwa im Jugendschutz, in der Prävention und bei der praktischen Umsetzung. Die geplante Evaluierung im Herbst 2025 wird entscheidend sein, um die Zukunft des Gesetzes zu gestalten und mögliche Schwachstellen zu beheben. Klar ist: Eine evidenzbasierte Drogenpolitik, die Prävention und Aufklärung stärkt, bleibt essenziell, um die gesellschaftlichen und gesundheitlichen Folgen des Cannabiskonsums zu minimieren.